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Kloster St. Blasien (Schwarzwald)

Das Kloster St. Blasien war ein Benediktinerkloster in Sankt Blasien im Südschwarzwald.

Geschichte

9. Jahrhundert bis 12. Jahrhundert

Denkmal für Fürstabt Martin Gerbert Quelle: Wikipedia.de Foto: Flominator, edit by WladyslawÜber die Frühgeschichte des Klosters St. Blasien besteht Unklarheit. Die cella alba des Hochrheinklosters Rheinau soll im 9. Jahrhundert am Anfang einer Entwicklung hin zum Kloster St. Blasien des 11. Jahrhunderts stehen. Demnach muss sich die Zelle im Südschwarzwald (in einem längeren Prozess) von Rheinau gelöst haben. Vielleicht spielte der in der Überlieferung als „Stifter“ bezeichnete Reginbert von Seldenbüren († um das Jahr 962) eine Rolle, jedenfalls ist mit Werner I. (1045?-1069) erstmals ein Abt von St. Blasien bezeugt. Am 8. Juni 1065 erhielt das Schwarzwaldkloster, das im Übrigen mit der Adelsfamilie um Herzog Rudolf von Rheinfelden (1057–1079) verbunden war, von König Heinrich IV. (1056–1106) ein Immunitätsprivileg, zwischen 1070 und 1073 sind Kontakte zum cluniazensischen Reformkloster Fruttuaria in Oberitalien anzunehmen.

Folge dieser Kontakte waren der Anschluss St. Blasiens an die fruttuarische Reformrichtung, die Einführung von Laienbrüdern (Konversen) und wohl die Gestaltung St. Blasiens als Doppelkloster von Mönchen und Nonnen; die Nonnen sollten dann vor 1117 das Kloster Berau besiedeln.

Grenzstein zum Fürstenhaus Fürstenberg (1767) Quelle: wikipedia.de Foto: FlominatorDer Historiograf Bernold von Konstanz (*ca.1050–† 1100) stellt St. Blasien neben Kloster Hirsau und Kloster Allerheiligen als führendes schwäbisches Reformkloster dar. Von St. Blasien sollten unter anderem reformiert oder (als Priorat, Propstei) gegründet werden: Muri (1082), Ochsenhausen (1093), Göttweig (1094, Göttweiger Reform), Stein am Rhein (vor 1123), Prüm (1132) oder Maursmünster (vor 1166). An Kommunitäten im Schwarzwald beeinflusste St. Blasien die Klöster Alpirsbach (1099), Ettenheimmünster (1124) und Sulzburg (ca.1125), sowie seine Propsteien Weitenau (ca.1100), Bürgeln (v.1130) und Sitzenkirch (ca.1130). Eine Liste von Gebetsverbrüderungen, um 1150 erstellt, zeigt die Weitläufigkeit der Beziehungen zwischen St. Blasien und anderen Frauen- und Männerklöstern.

Im Verlauf des 12. Jahrhunderts erlahmte indes der Eifer der Schwarzwälder Mönche, die Aktivitäten wurden vom Ausbau einer umfangreichen Grundherrschaft dominiert. So ist 1166 die Schenkung einer Kirche von Gersbach (Südschwarzwald) schriftlich belegt, wodurch der Einfluss des Klosters in der Region weiter wuchs. Im 14. und 15. Jahrhundert erreichte die Grundherrschaft ihre größte Ausdehnung und erstreckte sich über weite Gebiete des Südschwarzwaldes, unter Einbeziehung der genannten Propsteien sowie des Nonnenklosters Gutnau und der Niederkirchen in Niederrotweil, Schluchsee, Wettelbrunn, Achdorf, Hochemmingen, Todtnau, Efringen, Schönau, Wangen, Plochingen, Nassenbeuren usw. Die Schutzvogtei der Bischöfe von Basel konnte abgeschüttelt werden, wie ein Diplom Kaiser Heinrichs V. (1106–1125) vom 8. Januar 1125 beweist, das dem Kloster Königsschutz und freie Vogtwahl zugestand.

13. Jahrhundert bis 18. Jahrhundert

Ehemalige Klosterkirche St. Blasien Quelle: Wikipedia.de Foto: User EBBIn der Folge etablierten sich die Zähringer als Klostervögte, nach deren Aussterben (1218) wurde die Vogtei unter Kaiser Friedrich II. (1212/15-1250) Reichslehen, so dass immerhin eine gewisse Anbindung St. Blasiens an das Reich bestand, ohne dass hier von einem Reichskloster oder von Reichsunmittelbarkeit geredet werden kann.

Einem gewissen Otto von St. Blasien wird auch eine Chronik zugeschrieben, die die Ereignisse von 1146 bis 1209 schilderte.

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts sind die Habsburger als Schutz- und Kastvögte der Mönchsgemeinschaft bezeugt. St. Blasien wurde damit zu einem Bestandteil des vorderösterreichischen Herrschaftsverbands der habsburgischen Herzöge und in der frühen Neuzeit als Landstand vorderösterreichisches Prälatenkloster. Trotzdem gab es auch Beziehungen zum Reich, die damit zusammenhingen, dass das Kloster zwischen 1422 und 1521 in den Reichsmatrikeln geführt wurde und der schwäbische Reichskreis 1549 vergeblich versuchte, St. Blasien als Reichsprälatenkloster einzubinden. Immerhin waren die vier seit dem Ende des 13. Jahrhunderts von St. Blasien erworbenen „Reichsherrschaften“ Blumegg, Bettmaringen, Gutenburg und Berauer Berg Ausgangspunkt für die 1609 konstituierte reichsunmittelbare Herrschaft Bonndorf.

Unter Abt Martin Gerbert wurde die bis heute bestehende Forschungsidee der Germania sacra geboren, die sich die Erfassung der Geschichte der Klöster und Bistümer in Deutschland zur Aufgabe macht.

Auflösung des Klosters im 19. Jahrhundert

Das Kloster St. Blasien, das von der Reformation verschont blieb, wurde 1806 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die mittelalterliche Klosteranlage wurde im 18. Jahrhundert barock überbaut und ist daher nicht mehr vorhanden. Der Großteil der Mönche zog mit den Kunstschätzen sowie den Gebeinen von 12 hier begrabenen Habsburgern zunächst in das aufgelöste Stift Spital am Pyhrn in Oberösterreich, und schließlich in das heute noch bestehende Stift St. Paul im Lavanttal in Kärnten.

Liste der Äbte von St. Blasien

Äbte bis 1540 in ununterbrochener Reihenfolge:

  • Beringer (Abt) (1036)
  • Werner I. (1045–1069)
  • Giselbert (1068–1086)
  • Otto I. (1086–1108)
  • Rustenus (1108–1125)
  • Berthold I. (1125–1141)
  • Gunther von Andlau (1141–1170)
  • Werner II. von Küssaberg (1170–1178)
  • Theodebert von Bußnang (1178–1186)
  • Manegold von Hallwil (1186–1204)
  • Hermann I. von Meßkirch (1204–1222)
  • Otto II. (1222–1223)
  • Hermann II. (1223–1237)
  • Heinrich I. (1237–1240)
  • Arnold I. (1240–1247)
  • Arnold II. (1247–1276)
  • Heinrich II. von Stadion (1276–1294)
  • Berthold II. (1294–1308)
  • Heinrich III. (1308–1314)
  • Ulrich (1314–1334)
  • Petrus I. von Thayingen (1334–1348)
  • Heinrich IV. von Eschenz (1348–1391)
  • Konrad (1391)
  • Johannes I. Kreutz (1391–1413)
  • Johannes II. Duttlinger (1413–1429)
  • Nikolaus Stocker (1429–1460)
  • Petrus II. Bösch (1460–1461)
  • Christopher aus Greuth (1461–1482)
  • Eberhard von Reischach (1482–1491)
  • Blasius I. Wambach (1491–1493)
  • Georg (Buob?) aus Horb (1493–1519)
  • Johannes III. Spielmann (1519–1532)
  • Gallus Haas (1532–1540)

weitere Äbte nach 1540:

  • Caspar II. (?–1592
  • Simon Eusebius Finckh (1651–1720)
  • Franz II. Schächtelin (1727–1747)
  • Meinrad Troger (1747–1764)
  • Martin Gerbert (1764–1793)


Quelle: wikipedia.de Stand: 02.02.2009
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