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Freiburg im Breisgau 3

Religionen

Christentum

Da Freiburg bis 1805 zu Österreich gehörte, blieb die Stadt katholisch. Die Bevölkerung gehörte kirchlich zum Bistum Konstanz, das mit dem Ende des alten Reiches aufgelöst wurde. 1821 wurde Freiburg Sitz eines eigenen römisch-katholischen Erzbischofs, der jedoch erst 1827 sein Amt antreten konnte.

Die Grenzen des Erzbistums Freiburg decken sich mit den Grenzen des ehemaligen Landes Baden und des (später preußischen) Fürstentums Hohenzollern. Bischofskirche ist das Freiburger Münster. Zur Kirchenprovinz Freiburg gehören die beiden Suffraganbistümer Mainz und Rottenburg-Stuttgart (bis 1929 auch die Bistümer Limburg und Fulda). Der Erzbischof von Freiburg trägt den Titel eines Metropoliten. Der Deutsche Caritasverband hat seinen Sitz in Freiburg. Als Schutzpatron Freiburgs wird Bischof Lambert von Lüttich verehrt.

Im 19. Jahrhundert zogen auch Protestanten in die Stadt, die später eigene Kirchen erhielten. Die ehemals markgräflich-badischen Teilorte Haslach, Opfingen und Tiengen sind traditionell evangelisch. Die Freiburger Protestanten gehören heute, sofern sie nicht Glieder einer Freikirche sind, zum im Januar 2007 neu gebildeten Stadt-Dekanat Freiburg innerhalb des Kirchenkreises Südbaden der Evangelischen Landeskirche in Baden. In Freiburg befindet sich auch der Sitz der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden, einer lutherischen Freikirche. Ausserdem gibt es eine breite Landschaft protestantischer Freikirchen: Die Christengemeinde in FR-Lehen, die Calvary-Chapel in der City, die Heilsarmee, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, die Freie Evangelische Gemeinde, die Liebenzeller Gemeinde, die Chrischonagemeinde, die Methodistische Gemeinde und die christliche Missionsgemeinde.

Seit dem späten 19. Jahrhundert besteht in Freiburg eine altkatholische Gemeinde, deren Kirche die ehemalige Klosterkirche der Ursulinen im Schwarzen Kloster am Rande der Altstadt ist. Den griechisch-, serbisch-, Russisch- und rumänisch-orthodoxen Gemeinden wurde eine katholische Kirche für ihre Gottesdienste zur Verfügung gestellt. Außerdem gibt es in Freiburg eine Anglikanische Gemeinde und die Neuapostolische Kirche mit zwei Gemeinden (in der Wiehre und in Weingarten), eine Gemeinde der Kirche Jesu Christi, sowie die Zeugen Jehovas.

Judentum

Nachdem der jüdischen Gemeinde in Freiburg am 12. Oktober 1338 ein umfassender Sicherungs- und Freiheitsbrief ausgestellt wurde, der auch mit umfangreichen Rechten verbunden war, wurden die Juden im Jahre 1424 „auf ewig“ vertrieben. Die Bürgerschaft duldete bis ins 19. Jahrhundert keine Ansiedlung von Juden. 1863 wurde wieder eine jüdische Gemeinde gegründet. In der Pogromnacht 1938 wurde die 1870 errichtete Synagoge zerstört. Am 22. Oktober 1940 wurden die im Lande verbliebenen badischen und pfälzer Juden vom Annaplatz aus in das Lager Camp de Gurs in Südfrankreich deportiert. Im Pflaster der Stadt erinnern „Stolpersteine“ an Opfer der Judenverfolgung während der Naziherrschaft.

Nach 1945 konstituierte sich eine orthodox geführte jüdische Einheitsgemeinde, die Israelitische Gemeinde Freiburg, die mittlerweile durch die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion auf rund 750 Mitglieder angewachsen ist. Sie errichtete von 1985 bis 1987 zwischen Münsterplatz und Stadtgarten eine neue Synagoge. Seit Juli 2004 ist durch die kleine Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher eine weitere Gemeinde hinzugekommen, die sich der Union progressiver Juden angeschlossen hat.

Für die verstorbenen Einwohner jüdischen Glaubens gibt es eigene Begräbnisstätten: den jüdischen Friedhof in der Elsässer Straße und ein neues Gräberfeld auf dem Friedhof St. Georgen.

Islam

Mehrere islamische Organisationen unterschiedlicher Herkunft und religiöser Ausrichtung unterhalten in Freiburg Gebetsstätten und Moscheen.

Andere

Auch Anhänger des Buddhismus, finden in Freiburg Anlaufstellen: im Buddhistischen Zentrum der Karma Kagyü Linie oder im Tibet-Kailash-Haus, das 2007 vom Dalai Lama besucht wurde. Weiterhin gibt es seit 2005 den Heidenhain (auch: Hain der Heiden) in Freiburg, der sich als Treffpunkt und Anlaufstelle für Neopaganismus (Neuheidentum) versteht.

Politik

Im früher katholisch-konservativen Freiburg gab es 1962 mit der erstmaligen Wahl eines Sozialdemokraten zum Oberbürgermeister (Dr. Eugen Keidel) einen „Linksruck“. Bis zum Ausscheiden von Dr. Rolf Böhme im Jahr 2002 hatte Freiburg durchgehend sozialdemokratische Oberbürgermeister. Mittlerweile gilt die Stadt jedoch als eine Hochburg der Grünen. Dies äußert sich nicht nur in der Wahl des ersten grünen Oberbürgermeisters einer deutschen Großstadt, sondern auch in durchgehend überdurchschnittlich hohen Wahlergebnissen. Bei den Bundestagswahlen 2002 und 2005 wurde der Wahlkreis Freiburg mit 25,0 beziehungsweise 22,8 Prozent der Zweitstimmen bundesweit bester Wahlkreis dieser Partei, bei der Europawahl am 13. Juni 2004 erreichten sie im Stadtkreis sogar 36,8 Prozent. Bei der jüngsten Landtagswahl vom 26. März 2006 setzte sich allerdings die CDU mit 30,3 % wieder als stärkste politische Kraft in der Stadt durch. Das Direktmandat im Deutschen Bundestag für den Wahlkreis Freiburg hat jedoch seit 1998 der Sozialdemokrat Gernot Erler, heute Staatsminister im Auswärtigen Amt, inne. Über die Landesliste vertritt zusätzlich Kerstin Andreae (Grüne) die Stadt im Deutschen Bundestag (seit 2002). Im Landtag von Baden-Württemberg ist Freiburg (2002–2007) mit sechs Abgeordneten vertreten – bedingt durch die Aufteilung des Stadtgebiets in zwei Wahlkreise: Gustaf-Adolf Haas (SPD – FR-Ost), Reinhold Pix (Grüne – FR-Ost), Margot Queitsch (SPD – FR-West), Bernhard Schätzle (CDU – FR-West), Dr. Klaus Schüle (CDU – FR-Ost) und Edith Sitzmann (Grüne – FR-West).

Oberbürgermeister

An der Spitze der Stadtverwaltung stand früher der Schultheiß als Vorsitzender des Gerichts. Nach dem Übergang an Baden wurde die badische Städteverfassung eingeführt mit einem direkt gewählten Bürgermeister, später Oberbürgermeister an der Spitze der Verwaltung, der hier aber auch gleichzeitig stimmberechtigter Vorsitzender des Gemeinderates ist.

Die Oberbürgermeister seit 1806:

 
  • 1806–1824: Johann Josef Adrians
  • 1826–1827: Fidel André
  • 1828–1832: Raimund Bannwarth
  • 1833–1839: Joseph von Rotteck
  • 1839–1840: Friedrich Wagner
  • 1848–1849: Joseph von Rotteck
  • 1850–1852: Johann Baptist Rieder
  • 1852–1859: Friedrich Wagner
  • 1859–1871: Eduard Fauler
  • 1871–1888: Karl Schuster
  • 1888–1913: Otto Winterer
  • 1913–1922: Emil Thoma
  • 1922–1933: Karl Bender
  • 1933–1945: Franz Kerber
  • 1945–1946: Max Keller
  • 1946–1956: Wolfgang Hoffmann
  • 1956–1962: Josef Brandel
  • 1962–1982: Eugen Keidel
  • 1982–2002: Rolf Böhme
  • seit 2002: Dieter Salomon
Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 48 gewählten Mitgliedern. Den Vorsitz (mit Stimmrecht) hat der Oberbürgermeister. Die Wahl zum Gemeinderat vom 13. Juni 2004 ergab folgendes Ergebnis:

Partei Prozent Diff. Sitze Diff.
CDU 26,1 −5,0 13 −3
Bündnis 90/Die Grünen 25,8 +6,1 13 +3
SPD 17,1 −3,7 8 −3
FWV 8,2 −0,4 4 =
Linke Liste / Solidarische Stadt 6,3 +2,1 3 +1
FDP 5,0 −0,1 2 =
Kulturliste 4,4 +4,4 2 +2
Junges Freiburg 4,1 +0,3 2 =
Unabhängige Frauen 3,0 +0,2 1 =
Andere 0,0 −3,9 0 =

Grüne und Junges Freiburg bilden eine Fraktionsgemeinschaft, ebenso die Linke Liste mit der Kulturliste und den Unabhängigen Frauen.

Mit 35 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zum Stadtrat stellt der Bäckermeister Alfred Kalchthaler (Freie Wähler) im November 2006 einen Nachkriegsrekord auf.

Bürgerentscheide

In Freiburg fanden bisher vier Bürgerentscheide statt. Diese wurden zu folgenden Themen durchgeführt:

1. Bau einer Kultur- und Tagungsstätte (KTS) – 1988 (spätere Bezeichnung: Konzerthaus).

Abstimmungsfrage 26. Juni 1988: "Soll die Kultur- und Tagesstätte gemäß Beschluss des Gemeinderats vom 9. Februar 1988 auf dem Grundstück der Bismarckallee gebaut werden?"

  Wahlberechtigte Wähler Ja Nein
Personen 131.889 65.964 29.289 36.439
Prozent   50,0 % 44,6 % 55,4 %
 

Nach einem Gemeinderatsbeschluss am 9. Februar 1988 zum Bau kam es fast zu einem erfolgreichen Bürgerbegehren der Konzerthausgegner. Nur 3128 fehlende Stimmen ließen den Bürgerentscheid scheitern. Am 28. Juni 1988 bestätigte der Gemeinderat den bereits gefassten Beschluss zum Bau des Gebäudes. Hätte das 2005 gesenkte Quorum damals gegolten, wäre der Bürgerentscheid erfolgreich gewesen und der Bau hätte nicht begonnen werden dürfen.

2. Erhalt des Freiburger Flugplatzes – 1995 Abstimmungsfrage 3. Juli 1995:"Sind Sie für den Erhalt des Freiburger Flugplatzes?"

 
  Wahlberechtigte Wähler Ja Nein
Personen 135.563 52.597 37.258 15.214
Prozent   38,8 % 71 % 29 %
 

Ergebnis: gescheitert an der erforderlichen Mindestbeteiligung von 30 % der Wahlberechtigten (Quorum von 30 %), fehlende Stimmen: 3411. Obwohl das Quorum nicht erreicht wurde, folgt der Gemeinderat dem Abstimmungsergebnis für den Erhalt und nimmt den Beschluss zur Bebauung zurück.

3. Linienführung einer neuen Straßenbahnlinie – 1999

Abstimmungsfrage: „Soll die Stadtbahn Haslach über die Kronenstraße und den Ring (Werder-, Rotteck- und Friedrichring) zum Siegesdenkmal mit Anschluss an die Kaiser-Joseph-Straße gebaut werden (Variante B)?“

 
  Wahlberechtigte Wähler Ja Nein
Personen 140.427 42.128 21.232 9.795
Prozent   22,2 % 68,4 % 31,6 %
 

Ergebnis: gescheitert am Quorum von 30 %, fehlende Stimmen: 20896; hätte das seit 2005 gültige Quorum schon gegolten (25 % der Wahlberechtigten), wäre die Abstimmung erfolgreich gewesen. Der Gemeinderat stimmt erneut über den Linienverlauf ab, bestätigt aber das Ergebnis der ersten Abstimmung, die eine andere Linienführung vorsah. Zwei Jahre später stimmt er aber zusätzlich auch für diese Linie.

 

4. Erhalt der städtischen Wohnungen im Besitz der Stadt Freiburg – 2006

Abstimmungsfrage: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Freiburg Eigentümerin der Freiburger Stadtbau GmbH und der städtischen Wohnungen bleibt?“, 12. November 2006.

 
  Wahlberechtigte Wähler Ja Nein
Personen 148.313 59.211 41.581 17.418
Prozent   39,9 % 70,5 % 29,5 %

(Quelle für die Abstimmungsergebnisse: Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung Freiburg)

Die ersten drei Bürgerentscheide in Freiburg scheiterten. Der vierte und erste erfolgreiche Bürgerentscheid in Freiburg wurde unter anderem von einer Bürgerinitiative „Wohnen ist Menschenrecht“ sowie den Fraktionen von SPD, Unabhängiger Liste und der FDP unterstützt. Die Befürworter des Bürgerbegehrens, also die Gegner des Verkaufs, gewannen in allen Bezirken die Mehrheit. Das Quorum war am 27. Juli 2005 vom Landtag Baden-Württemberg von 30 % auf 25 % der Stimmberechtigten gesenkt worden.

Städtepartnerschaften

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Städtepartnerschaften in Europa ein Weg, um die Verständigung unter Menschen verschiedener Nationen im direkten Kontakt zu ermöglichen und damit den Frieden zu stabilisieren. In diesem Geist wurde 1959 die Partnerschaft mit Besançon geschlossen, der mit Innsbruck, Padua und Guildford weitere folgten. Die kontinentalen Städte dieser Phase sind nicht ganz zufällig von etwa gleicher Größe und Struktur, sind auch touristisch attraktive Universitätsstädte und alte Habsburgerstädte mit reicher Vergangenheit. Das gilt auch für die später hinzugekommene Stadt Granada. Auch Lemberg hat diesen Charakter, auch wenn die Stadt erheblich größer ist, mit der aber eine besonders solidarische Verbundenheit besteht.

Später, als moderne Verkehrsmittel und die weltweit verbesserte Telekommunikation die Welt kleiner werden ließen, kamen auch Städte in Übersee, Madison in den USA und Matsuyama in Japan, hinzu. Die Partnerschaft mit der Stadt Isfahan im Iran schließlich ist die erste und bisher einzige Partnerschaft einer deutschen mit einer iranischen Stadt. Sie ist eine der lebendigsten mit vielfältigem Austausch auf kulturellem Gebiet. Was mit den Partnerschaften Madison und Lemberg auch beabsichtigt war, eine Überwindung des damaligen Blockdenkens, das soll hier ebenfalls versucht werden: ein Austausch zwischen sehr unterschiedlichen Kulturen soll zum besseren Verständnis und zu einem friedlicheren Nebeneinander beitragen. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass diese Partnerschaft aufgrund der politischen Lage auch mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, was aber in Freiburg den Wunsch, diese Partnerschaft fortzusetzen, eher stärkt.

Die Partnerstädte Freiburgs im Überblick:

Besançon in Frankreich seit 1959
Innsbruck in Österreich seit 1963
Padua in Italien seit 1967
Guildford in Großbritannien seit 1979
Madison (Wisconsin) in den USA seit 1987
Matsuyama in Japan seit 1988
Lemberg (Lwiw) in der Ukraine seit 1989
Granada in Spanien seit 1991
Isfahan im Iran seit 2000

Außerdem besteht eine Städtefreundschaft mit

Wiwilí in Nicaragua seit 1988.

Traditionell freundschaftliche Beziehungen, die nicht schriftlich fixiert sind aber dennoch gepflegt werden, gibt es zu den anderen vom Geschlecht der Zähringer gegründeten Städten in der Schweiz und in Süddeutschland: zu Bern, Thun, Burgdorf, Freiburg im Uechtland, Murten, Rheinfelden, Neuenburg, Villingen, Bräunlingen und Weilheim an der Teck sowie zum Klosterort St. Peter auf dem Schwarzwald, der Grablege der meisten Zähringer.

Gemeindefinanzen

Nach der Kommunalabfrage 2007 des Bundes der Steuerzahler Baden-Württemberg stehen städtischen Steuereinnahmen von insgesamt 224,349 Mio. Euro 2006 und geschätzten Steuereinnahmen für 2007 von insgesamt 234,365 Mio. Euro folgende Schulden der Kommune gegenüber:

  • 2006 insgesamt 466,991 Mio. Euro Schulden (nämlich: 318,597 Mio. Euro Schulden des Kämmereihaushaltes und 148,394 Mio. Euro Schulden der städtischen Eigenbetriebe/Sondervermögen)
  • 2007 insgesamt 474,919 Mio. Euro Schulden (nämlich: 334,997 Mio. Euro Schulden des Kämmereihaushaltes und 139,922 Mio. Euro Schulden der städtischen Eigenbetriebe/Sondervermögen).

Quelle: wikipedia.de Stand: 25.02.2008
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Artikel geändert durch: Autor von www.schwarzwald-welt.de
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